DSV Alpine und der österreichische Fußball. Was fällt einem da als erstes ein? Bei mir ist es Gottfried Angerer. Der starke Torwart der Donawitzer in den Bundesliga Saisonen 1984/85 und 85/86. Doch der zweite Gedanke der mir in den Sinn kommt ist schon der Donawitzer Zwangsabstieg ohne sportlicher oder finanzieller Begründung im Jahr 1974. Trotz der bisher besten Plazierung eines 6. Rangs (in einer 17er Liga!), wurde der Verein zum Abstieg gezwungen. Einfach weil man ihn nicht mehr in der obersten Liga sehen wollte. Eine reine Willkürentscheidung. Wie sich damals Spieler, Sponsoren, Vereinsmitglieder, und Fans gefühlt haben müssen, will ich mir gar nicht ausdenken.

Aber wie dem oft so ist, schweissen Ungerechtigkeiten von außen zusammen. Nur so konnte ein Zweitligist aus einer Kleinstadt 2 Jahre später solche Massen zu einem Auswärtsspiel nach Wien bewegen wie DSV Alpine.

DSV Alpine 1976

Bild: DSV Alpine Fans fahren 1976 in großer Anzahl mit dem Zug nach Wien.



Es war der 11. Spieltag, die Partie fand am 23. Oktober 1976 statt, und endete 2:1 für den Wiener Sportclub. 11.500 Zuschauer waren vor Ort. Wie man im Video sehen wird, war der Sportclub Platz bis auf den letzten Platz gefüllt.

DSV Alpine Fans Sportclub Platz

Bild: Die heutige Friedhofstribüne war damals fest in steirischer Hand.

Vor diesem Spieltag waren die Donawitzer mit 9 Siegen und einem Unentschieden an der Tabellenspitze. 6 Punkte dahinter auf Rang 3 lauerte schon der Wiener Sportclub. Donawitz war wieder drauf und dran auf sportlichem Wege in die oberste Liga zurückzukehren, und es gewissen Herren in hohen Positionen zu zeigen, daß man einen Verein wie DSV Alpine im österreichen Spitzenfußball nicht so schnell loswerden kann.

Am Ende der Saison stand jedoch der Sportclub auf Platz 1, und die Donawitzer gleich dahinter. Nur einen Punkt entfernt. Der Sportclub stieg in die oberste Liga auf. DSV Alpine blieb zweitklassig.

Eine Saison darauf reichte es für DSV Alpine wieder nur zum zweiten Platz. 10 Punkte hinter Austria Salzburg.

Erst im Jahr 1984 schaffte man mit dem zweiten Platz den Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga. Dort hielt man sich bis 1986, und dann noch einmal von 1991 bis 1992. In der Saison 1994/95 erreichte man das Cupfinale, spielte aber nur mehr zweitklassig. Auf Grund der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2008 musste man ein Jahr darauf Konkurs anmelden und sich vom Profibetrieb bis heute verabschieden.



Das Video vom Sportclub Spiel am 23. Oktober 1976:

Es sind die ersten 4 Minuten.

Ab 4:00 geht es um die Auswärtsfahrt nach St. Veit an der Glan.

Es handelte sich dabei um das Spiel zwei Spieltage später am 7. November 1976:

SV St. Veit/Glan – DSV Alpine 3:2

DSV Alpine Fans in St. Veit an der Glan

Bild: Emotional aufgeladene DSV Alpine Fans bei der 2:3 Niederlage beim SV St. Veit/Glan. Im Hintergrund der prall gefüllte Auswärtssektor.

Im Spieltag dazwischen schlug man den SC Eisenstadt zu Hause 2:1 und verteidigte die Tabellenführung. Der Sportclub verlor auswärts in Stockerau 0:2, und der alte Abstand von 6 Punkten wurde wieder hergestellt. Unmittelbarer Verfolger auf Rang 2 war Wiener Neustadt mit 4 Punkte Rückstand.

Nach der Niederlage in St. Veit schrumpfte der Vorsprung auf Wiener Neustadt auf 3 Punkte. Am 21. November ging es mit einer 0:2 Niederlage in Bregenz in die Winterpause. DSV Alpine feierte den Herbstmeistertitel mit 3 Punkte Vorsprung auf Wiener Neustadt, und 5 Punkte Vorsprung auf den Wiener Sportclub. Zur Erinnerung: Damals gab es für einen Sieg nur 2 Punkte.

Der Wiener Sportclub startete im Frühjahr 1977 dann sensationell aus der Winterpause und eilte von Sieg zu Sieg. DSV Alpine punktete auch regelmässig, aber nach der 21. Runde betrug der Vorsprung nur mehr einen Punkt.

23. Spieltag: Sportclub besiegt den SV St. Veit zu Hause mit 4:0, und DSV Alpine verliert beim FC Dornbirn 1:2. Die Donawitzer damit nur mehr wegen 3 Tore mehr in der Bilanz an der Tabellenspitze. Die Punkteanzahl war nun mit 33 gleich.

24. Spieltag: DSV Alpine schlägt zu Hause den WAC mit 6:2. Man wusste dass auch das Torverhältnis am Ende eine Rolle spielen könnte, und demnach spielte man auch wie das Resultat zeigte. Sportclub siegt in Villach 1:0. DSV Alpine bleibt Tabellenführer. 6 Tore plus auf den Sportclub.

25. Spieltag: Sportclub gewinnt zu Hause gegen Schwarz Weiss Bregenz mit 3:1. DSV Alpine verliert in Tulln 0:2. Sportclub übernimmt jetzt die Tabellenführung und hat 2 Punkte Vorsprung.

26. Spieltag: Das direkte Duell in Donawitz! DSV Alpine kommt jedoch über ein 1:1 nicht hinaus. Der Dritte Wiener Neustadt hätte mit einem Sieg zu Hause gegen Dornbirn die Donawitzer sogar überholen können. Das Spiel endet jedoch 0:0. DSV Alpine und Wiener Neustadt punktegleich auf Platz 2 und 3. 2 Punkte hinter Sportclub.

27. Spieltag: Sportclub besiegt Stockerau zu Hause 3:0. DSV Alpine gewinnt 2:0 in Eisenstadt.

28. Spieltag: Sportclub gibt beim 2:2 in Simmering einen Punkt ab! DSV Alpine siegt zu Hause gegen SV St. Veit mit 3:0. DSV Alpine kommt zwei Runden vor Schluss noch einmal auf einen Punkt heran!

29. Spieltag: Sportclub siegt im Schlagerspiel zu Hause gegen Wiener Neustadt 1:0. Auch DSV Alpine erfüllt seine Pflicht und siegt in Villach 4:0.

In der letzten Runde braucht DSV Alpine einen Punktverlust des Sportclubs. Gibt Sportclub einen Punkt ab, reicht den Donawitzern sogar ein Unentschieden um Meister zu werden und in die 1. Bundesliga aufzusteigen.



Sportclub muss auswärts nach Kärnten zum SC Amateure St. Veit (damals auf Platz 10 von 16 Mannschaften). DSV Alpine tritt zu Hause gegen Schwarz Weiss Bregenz (Platz 9) an.

30. Spieltag: In einem dramatischen Spiel siegt der Sportclub mit 3:2. Der 2:1 Sieg der Donawitzer zu Hause gegen Bregenz ist für die Katz. Ein 7 Tore besseres Torverhältnis reichte am Ende wegen eines einzigen Punkts nicht. Der DSV Alpine muss in der 2. Liga bleiben ….

Die österreichische Zweitligasaison 1976/77 war damit ein sehr spannendes Rennen um den Titel. Danke nochmals für das Video, welches an diese Zeit erinnert, und auch einen guten Einblick in die damalige Fanszene bietet.

Wie stark der Wiener Sportclub in dieser Saison damals war, belegt auch die Tatsache dass man es bis in das österreichische Cupfinale schaffte. Sich dort aber der Wiener Austria beugen musste. Sportclub Trainer war damals ein gewisser Erich Hof, der selbst noch als Abwehrspieler auflief ,und es später sogar zum Teamchefposten brachte. Star des Wiener Sportclubs war aber ohne Zweifel August Starek im Mittelfeld.

Die bekanntesten Spieler der Donawitzer in der Saison 1976/77 waren: Adolf Antrich im Tor. Ewald Fuchs und Ewald Jansenberger in der Verteidigung. Und der damals erst gerade erst einmal 19-jährige Walter Schachner.

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