In den 90er Jahren hat es in der österreichischen Bundesliga ja das eine oder andere Duell um den Titel gegeben, welches erst in der letzten Runde entschieden wurde. Auch in einem direkten Duell. Aber so spannend wie in der Saison 1990/91 war es kein zweites Mal.

In der vorletzten Runde gewinnt die Wiener Austria zu Hause gegen Austria Salzburg mit 1:0. Der FC Tirol siegt am Tivoli gegen Sturm Graz 3:0. Sturm Graz hätte übrigens bei einem Sieg in Tirol selbst noch theoretische Chancen auf den Titel gehabt. In der letzten Runde müssen beide Titelaspiranten auswärts antreten.

Die Tabellespitze vor dem letzten Spieltag:
1. Austria Wien 35 Punkte Tore: +39
2. FC Tirol 33 Punkte Tore: +42

Die letzte und entscheidende Runde
Austria Salzburg – FC Tirol
Admira Wacker – Austria Wien



FC Tirol braucht einen Sieg und eine Austria Niederlage, um mit dem besseren Torverhältnis Meister zu werden. Damals gab es ja noch die 2 Punkte Regel.
Austria Wien braucht zumindest ein Unentschieden, wenn der FC Tirol gewinnt.

Ein Punkt ist für die Austria somit Pflicht wenn man es aus eigener Kraft schaffen möchte, und das sollte machbar sein, denn die Admira ist in der Saison 1990/91 eher im unteren Tabellenbereich zu finden (beendet die Saison auf Platz 6 von 8 Mannschaften).

Man geht vor dem Spiel davon aus daß die Austria über die Admira drüberfährt, und mit einem deutlichen Sieg souverän den Titel holt. Doch der Fußball ist unberechenbar. Den ersten Schock erleben die Veilchen in der 10. Minute als Olaf Marschall zum 1:0 für die Admira trifft.

5 Minuten später der nächste Schock für die Austria. Vaclav Danek trifft zum 1:0 für den FC Tirol. Die Tiroler wären jetzt Meister.



Austria berennt und beschiesst jetzt das Admira Tor aus allen Lagen, aber Admira Torwart Wolfgang Knaller hält wie ein Irrer. Und wenn er einmal nicht zur Stelle ist, geht der Ball an die Latte. Es ist wie verhext für die Veilchen. Der Ball will einfach nicht in’s Tor.

Und dann trifft in der 37. Minute Johannes Abfalterer aus einem Konter auch noch zum 2:0 für die Admira. Jetzt braucht die Austria 2 Tore um Meister zu werden, denn in Salzburg steht es immer noch 1:0 für den FC Tirol.

Minuten vor der Pause geht es aber dann Schlag auf Schlag. In der 43. Minute trifft die Austria endlich in das Tor. 2:1 durch Evgenij Milevskij durch ein 5-Meter-Kopftor. Und der Tiroler Wazinger fabriziert in der 44. Minute ein Eigentor: 1:1. Zur gleichen Zeit hat die Austria in der Südstadt die Riesenchance zum Ausgleich. Elfmeter nach einem klaren Handspiel. Doch Evgenij Milevskij hat gegen diesen Wolfgang Knaller im Admira Gehäuse aus 11 Metern keine Chance. Knaller hält! Trotzdem wäre die Austria zur Halbzeit jetzt Meister.

8 Minuten nach der Pause gehen die Tiroler aber wieder durch Manfred Linzmaier in Führung. 2:1 für den FC Tirol. Jetzt wären die Tiroler wieder Meister.

Austria Wien braucht unbedingt ein Tor. Sie brauchen den Ausgleich zum 2:2. Doch das Tor der Admira ist wie vernagelt.

An elferreifes Foul an Ralph Hasenhüttl wird nicht gepfiffen.

Die zahlreichen Schüsse auf das Admira Tor hält Wolfgang Knaller wirklich sensationell! Er wächst heute über sich hinaus. Vielleicht das beste Spiel in seiner Karriere.

Die Austria gibt aber nicht auf und drängt weiter. Zum zweiten Mal in diesem Spiel klatscht der Ball nach einem Austria-Weitschuss an die Latte.

Austria Torwart Franz Wohlfahrt rückt mit dem Ball am Fuß oft bis zur Mittellinie auf, und treibt seine Spieler nach vorne. Die Austria muss jetzt alles riskieren. Es ergeben sich auch großartige Chancen, aber was dieser Wolfgang Knaller heute hält, hat man im Fußball noch selten gesehen. Selbst Bälle genau in das Kreuzeck werden von ihm locker herausgefischt.

Nur noch 15 Minuten zu spielen. In Salzburg führt Tirol weiter 2:1. Es scheint heute einfach alles gegen die Austria zu laufen.



Dann leitet die Austria in der 75. Minute einen weiteren Angriff ein. Walter Hörmann spielt den Ball auf der linken Seite etwas über der Mittellinie auf Peter Stöger. Dieser setzt sich auf der Seitenlinie trickreich gegen den gerade erst eingewechselten Wolfgang Gramann durch, und spielt den Ball flach und scharf in den 16 Meter Raum. Von dort prallt er wieder heraus, und wird bei einem Duell zwischen einem Admira Spieler und Evgenij Milevskij etwas abgelenkt, was sich für den aus dem vollem Lauf kommenden Christian Prosenik als ideale Vorlage entpuppte.

Christian Prosenik hält aus vollem Lauf drauf, und der Ball geht wie ein Strich genau in das Kreuzeck. Dieser Gewaltschuss war für Wolfgang Knaller selbst in dieser Hochform nicht zu halten. 2:2! Die Austria wäre jetzt Meister, und diese Aktion der Meisterschuss!

Austria Wien Meister 1991

Und es blieb letztendlich bei diesem 2:2. Die Austria wurde nach 5 Jahre wieder einmal Meister, und konnte den Titel im Anschluss sogar 2 Mal verteidigen. Die ersten Jahre der 90er gehörten eindeutig der Wiener Austria.

Austria Wien spielte damals mit
Tor: Franz Wohlfahrt
Abwehr: Robert Frind, Anton Pfeffer, Attila Sekerlioglu
Mittelfeld: Walter Hörmann, Christian Prosenik, Peter Stöger, Manfred Zsak
Angriff: Evgenij Milevskij, Ralph Hasenhüttl, Hannes Pleva

In der 63. Minute kam Thomas Flögel für Hannes Pleva.

Austria Trainer war Herbert Prohaska.

Wer sich die Höhepunkte dieses Krimis noch einmal anschauen möchte, kann dies hier tun:

Mit dem Red Bull Zeitalter im österreichischen Fußball sind ja spannende Titelduelle in der letzten Runde etwas aus der Mode gekommen. Umso schöner wenn man sich daran erinnern kann, wie es einmal war …

Responses

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

+