FC Tirol und Austria Wien. Das waren um 1990 die zweite dominantesten Mannschaften Österreichs. Doch ein Verein der kürzlich aus der 2. Spielklasse emporgestiegen ist, hegte große Ambitionen auch im Konzert der Tabellenspitze mitmischen zu wollen. Bei den Zuschauerzahlen war man sogar schon Ende der 80er Jahren in der 2. Division erstklassig.



Die Euphorie entwickelte sich in der Zweitligasaison 1988/89. Hatte man im ersten Heimspiel am 29. Juli 1988 gegen den SV Stockerau gerade einmal 2.000 Zuschauer, und bei der 3:5 Niederlage im Salzburger Stadtderby gegen den FC Salzburg am 23. August 1988, auch gerade einmal 3.500 Leute im Stadion, so kamen zum nächsten Heimspiel gegen Mödling bereits 10.000 Zuschauer. Das war ja schon einmal eine Nummer und zeigte das Potential auf. Doch gegen Mödling verlor man 0:3, und auch das nächste Auswärtsspiel in Wolfsberg ging verloren. So fanden sich im folgenden Heimspiel gegen VÖEST Linz wieder nur knapp 2.000 Zuschauer ein. Bei diesem Schnitt blieb es vorerst.

Als es in den letzten 2 Heimpartien des Jahres 1988 um den Aufstieg in das Mittlere Play Off ging, stiegen die Zuschauerzahlen wieder sprunghaft an. 6.500 beim 1:0 Heimsieg über Kufstein mit Hans Krankl aus Torschützen in der 2. Minute, und 9.000 gegen SV Spittal.

Im Frühjahr 1989 konnte dann im Mittleren Play-Off mit dem 3. Platz hinter Sturm Graz und Vorwärts Steyr der Aufstieg in die oberste Spielklasse fixiert werden. Die Euphorie hielt über den Winter an, und zum ersten Spiel im Jahr 1989 gegen Vorwärts Steyr kamen 12.000 Zuschauer nach Salzburg Lehen. Einige Wochen später sogar 17.000 gegen Sturm Graz. Diese Zuschauerzahl dürfte bis heute Rekord für ein „Nicht-Erstligaspiel“ in Österreich sein. Auch wenn einige Leute der Ansicht sind, das Mittlere Play Off wäre keine 2. Spielklasse gewesen.



In der ersten Saison nach dem Aufstieg gingen die Zuschauerzahlen aber wieder etwas zurück. 6.000 gegen den GAK, 6.500 gegen Austria Wien. Das waren gefühlte 50 Prozent weniger als im Mittleren Play Off. Nur Rapid vermochte die Massen in das Stadion zu bringen. Das erste Duell endete 2:2 vor 15.000 Zuschauern. Im letzten Heimspiel gegen St. Pölten kamen gerade wieder mal 5.500. Salzburg hatte aber mit Rang 7 die Qualifikation für das Obere Play Off geschafft.

Die Zuschauerzahlen blieben in der Frühjahrssaison 1990 konstant. Zumindest hatte man immer über 6.000. Die grossen Publikumsmagneten waren Rapid und der damalige FC Tirol in den Farben blau und weiß. In der letzten Runde vor der Sommerpause wurde die Wiener Austria vor 7.000 Zuschauern mit 5:0 nach Hause geschickt. Die Austria damals schon mit Prohaska als Trainer, und einer Mannschaft die ein Jahr später den österreichischen Meistertitel feiern sollte.

Nachdem man sich für die nächste Saison wieder weiter verstärkte, es kamen Kurt Garger und Leo Lainer vom Meister FC Tirol, und der damals 22-jährige Oliver Bierhoff aus der deutschen Bundesliga, der dort bereits 5 Erstligasaisonen in den Beinen hatte, blieben die Erwartungen weiter hoch und so stiegen auch die Zuschauerzahlen langsam aber stetig wieder an. Den Herbst 1990 belegte man auf dem 5. Platz, hinter FC Tirol, Austria, Rapid, und Sturm Graz.

Für das Meister Play Off im Frühjahr 1991 wurde dann weiter in die Mannschaft investiert. Von der Vienna kamen Andreas Heraf (damals 22 Jahre alt), und der deutsche Stürmer Ralf Balzis. Mehr als der 5. Platz schaute aber dann trotzdem nicht heraus.

Trotzdem wurde für die Saison 1991/92 noch einmal tief in die Tasche gegriffen. Trainer wurde Otto Baric, und man hat weiter in den Angriff investiert. Es kam Christian Keglevits von Rapid. Nikola Jurcevic aus Kroatien, und das Donawitzer Stürmertalent Herfried Sabitzer. Damals 21 Jahre alt. Und jetzt konnte man sich endlich von Beginn an ganz oben etablieren.



Vorläufiger Höhepunkt war dann das Duell um die Tabellenspitze gegen die Wiener Austria zu Hause am 28. September 1991. Das Lehener Stadion war mit 18.000 Zuschauern prall gefüllt, und man ging als 1:0 Sieger vom Platz. Das Siegestor erzielte Neuerwerbung Christian Keglevits.

Dieses Spiel war sogar dem ORF einen Sonderbericht wert.

Ein Austria Salzburg Fan grüsst nach dem 1:0 Sieg über die Wiener Violetten Austria Ikone Andreas Ogris.

Austria Salzburg verpasste in dieser und in der folgenden Saison den Titel sehr knapp in der letzten Runde. Die Saison 1993/94, so wie auch die darauf folgende Saison 1994/95, gehörten aber dann den Salzburgern. 1996/97 holte man noch einmal überraschend den Meistertitel. Das sollte aber dann der letzte Titel bleiben. Die sportlichen Erfolge blieben aus, finanzielle Schwierigkeiten traten immer öfter zu Tage, und am Ende wurde man von einem Getränkehersteller abgewickelt, und musste wieder ganz von unten beginnen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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