So begann das Cupfinale mit überraschendem Ausgang: 12.000 Zuschauer waren gekommen. Ein schöner Tag mit angenehmen Temperaturen, an einem Feiertag, am Ende des Monats Mai.

Als Stefan Reiter im Cupfinale 1991 in der 8. Minute zum 1:0 für Rapid traf, stellte man sich schon auf einen langweiligen Fußball Nachmittag ein. Der haushohe Favorit mit Trainer Hans Krankl führte gegen den krassen Aussenseiter aus einer Kleinstadt, der darüber hinaus auch noch nie erstklassig war, bereits früh mit 1:0. Was sollte da noch groß passieren?



Freistoß von Christian Keglevits – der Ball bleibt an der Mauer hängen – und ein gewisser Stefan Reiter ist zur Stelle und schiebt den Ball am 5 Meter Raum vor Torwart Zajicek ein.

Es war die Führung im Cupfinale „SK Rapid Wien gegen den SV Stockerau“.

Rapids Weg in das Finale
SV Sigleß – Rapid 1:5
SC Eisenstadt – Rapid 0:5
Deutschlandsberg – Rapid 1:3
FC Salzburg – Rapid 1:5
LUV Graz – Rapid 0:1
Rapid hatte es in dieser Cupsaison 1990/91 bis in das Finale mit keinem Erstligisten zu tun.

Stockeraus Weg in das Finale
Wiener Neustadt – Stockerau 2:8
Stockerau – VSE St. Pölten 2:0
Stockerau – Admira Wacker 3:2
Stockerau – VÖEST Linz 3:1
Stockerau – Sportclub 1:0
Zweitligist Stockerau musste sich inklusive des Finales mit 3 Erstligisten auseinandersetzen.

Wer war Führungstorschütze Stefan Reiter?
Der hatte nichts mit dem späteren SV Ried Manager Stefan Reiter zu tun. Dieser Stefan Reiter debütierte in der Saison 1988/89 als 22-jähriger Mittelfeldspieler bei Vorwärts Steyr in der Bundesliga. In seinem 3. Profijahr wechselte er dann nach Wien zu Rapid, wo er dann im Cupfinale von Beginn an zum Einsatz kam. In der Saison 90/91 kam er nur zu 10 Ligaspielen. Dieses Tor im Cupfinale war auch sein einziges für Rapid. Im Herbst 1991 kam er nur noch zu 3 Kurzeinsätzen für Rapid, nach wenigen Wochen dann der Wechsel zum FC Kärnten in die zweite Liga, wo er es auch nur noch auf 7 Einsätze brachte. Im Frühjahr 1992 ließ er dann seine Karriere als 26-jähriger bei Donaufeld, damals ebenfalls Liga 2, ausklingen.

Der weitere Spielverlauf
Interessant wurde es dann als Michael Wenzel in der 30. Minute zum 1:1 traf.

Michael Wenzel, damals 23 Jahre alt, hatte bisher nur wenige Spiele in den Beinen. Die Saison 1990/91 war seine erste bei einem Bundesligaverein, und Stammplatz hatte er noch keinen. Es muss damals ein großes Gefühl für ihn gewesen sein, in einem Cupfinale zum 1:1 zu treffen. Für ihn blieb es auch der größte Erfolg in seiner Karriere. Er schaffte es auch niemals in die oberste Bundesliga. Seine Karriere ließ er 10 Jahre später in der niederösterreichischen Landesliga bei Gmünd ausklingen.

In der 52. Minute dann die Führung für den Außenseiter:



Der Torschütze Peter Pospisil debütierte bei der Vienna bereits als 15-jähriger in der obersten Bundesliga. Am 1. Oktober 1982 spielte er bei der 0:3 Auswärtsniederlage gegen Admira Wacker in der Südstadt durch. Nach dem er sich aber in den nächsten Jahren nicht als Stammspieler etablieren konnte, wechselte er 1990/91 zum SV Stockerau. Genau richtig um mit seinem neuen Verein das Cupfinale zu erreichen. Die große Bundesliga Karriere blieb ihm, so wie Michael Wenzel, verwehrt. Nur eine Saison spielte er noch einmal ganz oben. Es war 1992/93 bei der Wiener Austria, wo er mit 11 Einsätzen den österreichischen Meistertitel holen konnte. Immerhin österreichischer Cupsieger und Meister. 2 Titel von denen andere Spieler nur träumen können. Pospisil spielte nach seinem Meistertitel noch 4 Saisonen in der 2. Liga, ehe er dann ab 1997 nur mehr in den unteren Ligen im Osten Österreichs tätig war, und dann am 8. Mai 2005 seine Karriere in der 2. niederösterreichischen Landesliga beendete.

SV Stockerau brachte im Anschluss das Spiel über die Runden und feierte den ersten und bisher einzigen Cupsieg …

Trainer der Stockerauer war damals die 78er Legende Willi Kreuz.

Die Stockerauer Cupsieger setzten sich aus folgenden Spielern zusammen:
Peter Zajicek (Tor)
Marek Ostrowski (Abwehr)
Michael Keller (Abwehr)
Josef Mazura (Abwehr)
Michael Wenzel (Abwehr)
Andreas Wacek (Abwehr)
Walter Binder (Mittelfeld)
Peter Pospisil (Mittelfeld)
Rudolf Weinhofer (Mittelfeld)
Josef Marko (Mittelfeld – bis 89. Minute)
Alfred Augustin (Angriff)

(ab 89′ Roman Wiktora – Mittelfeld)

Stockerau spielte 89 Minuten mit der Startformation durch. Erst in der Schlussphase kam der damals 21-jährige Roman Wiktora in die Partie.



Der Star der Mannschaft war ohne Zweifel der damals 30-jährige Abwehrspieler Marek Ostrowski. Er spielte 37 Mal in der polnischen Nationalmannschaft. Das letzte Mal am 29. April 1987 bei einer 0:1 Niederlage in Griechenland. Er war WM-Teilnehmer 1986 in Mexiko, und spielte alle 4 WM-Spiele Polens durch (ausgeschieden im Achtelfinale mit einem 0:4 gegen Brasilien). Marek Ostrowski erlitt Anfang Januar 2017 einen Herzinfarkt. Wenige Tage nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus verstarb er am 6. März 2017 im Schlaf in seiner Stockerauer Wohnung. Er wurde nur 57 Jahre alt.

Der SV Stockerau spielt derzeit nach einigen schwierigen und turbulenten Jahren in der 2. niederösterreichischen Landesliga Ost.

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