Dem damals neuen Teamchef ging die historische 0:1 Pleite gegen die Färöer Inseln voraus. Josef Hickersberger musste gehen, und Alfred Riedl sollte die österreichische Nationalmannschaft zu neuen Erfolgen führen. Riedls Teamchef Bilanz: 1 Sieg, 3 Unentschieden, und 4 Niederlagen. Tore: 6:16. Der einzige Sieg ein 3:0 zu Hause gegen die Färöer Inseln in Salzburg-Lehen. Zumindest ist diese Revanche geglückt.

Man schrieb den 15. September 1990 als der 40-jährige Alfred Riedl vom ÖFB Präsidenten Beppo Mauhart zum neuen Teamchef ernannt wurde. Nach etwas über einem Jahr wurde er schon wieder abgelöst. Am 9. Oktober verlor Österreich das EM-Qualifikationsspiel gegen den späteren Europameister Dänemark 0:3. Einen Tag später war er nicht mehr Teamchef.



Die Länderspiele mit Teamchef Alfred Riedl im Überblick:
Jugoslawien – Österreich 4:1 in Belgrad
Österreich – Nordirland 0:0 in Wien
Österreich – Norwegen 0:0 in Wien
Schweden – Österreich 6:0 in Stockholm
Österreich – Färöer Inseln 3:0 in Salzburg
Dänemark – Österreich 2:1 in Odense
Portugal – Österreich 1:1 in Porto
Österreich – Dänemark 0:3 in Wien

Alfred Riedl war von Beginn an sehr umstritten. Es war kein klingender Name. Er trat bisher nur überwiegend als Jugend und Co-Trainer bei arabischen oder unterklassigen Vereinen in Erscheinung. Ganze 15 Spiele als Chef-Coach in der obersten Bundesliga mit dem Wiener Sportclub reichten aus, um das hohe Amt als Trainer der österreichischen Nationalmannschaft bekleiden zu dürfen. Seine Bilanz damals als Sportclub Trainer: Siege gegen Vorwärts Steyr, Austria Salzburg, und dem GAK. Unentschieden gegen Vienna, Rapid Wien, und Sturm Graz. Diese 3 Siege und 3 Unentschieden standen 9 Niederlagen gegenüber. Torverhältnis: 12:27. Die höchste Niederlage war ein 0:5 beim Kremser SC. Also nicht wirklich eine beeindruckende Bilanz. Die umstrittenen Reaktionen daher verständlich.



Dem Thema Teamchefverpflichtung widmete sich auch der ORF. In diesem Video Beitrag wurde Alfred Riedl der Öffentlichkeit vorgestellt:

Anschließend folgte eine Diskussion über die umstrittene Bestellung. Zu Gast im Studio waren Alfred Riedl, ÖFB Präsident Beppo Mauhart, Sportjournalist und der ehemaliger Teamspieler Werner Kriess, ORF-Legende Hans Huber und der Moderator Sigi Bergmann.

Nach etwas mehr als einem Jahr später fühlten sich dann die Kritiker bestätigt. Österreich verlor das EM-Qualifikationsspiel gegen Dänemark mit 0:3 und der ORF rief die „Bankrotterklärung des österreichischen Fußballs“ aus. Unmittelbar nach dem Schlußpfiff spielten sich diese Szenen ab:

Nach diesem Spiel war Österreich in seiner Gruppe damals punktegleich mit den Färöer Inseln auf den letzten beiden Plätzen hinter Nordirland, Jugoslawien und Dänemark. Alfred Riedl erklärte daß Dänemark einfach „zu gut“ war um einen 0:3 Rückstand aufholen zu können. Hans Huber sah eine Bankrotterklärung der Nationalmannschaft, sprach von einer jämmerlichen Darbietung, und meinte die österreichischen Spieler wären von den Gegnern aus Dänemark teilweise lächerlich gemacht worden. Riedl damals prophetisch beim Interview: „Der Fußball in Österreich geht deswegen sicher nicht zu Grunde.“ Auch der damalige Teamkapitän Andreas Ogris kam zu Wort. Seine Erklärung zum Debakel daß dem Teamchef den Kopf kostete: „Wir haben uns zuviel hinten rein drücken lassen. Unglücklich in Rückstand geraten. Anschließend kein Herz und keine Courage gehabt um das Ergebnis umzudrehen. Verdient 0:3 verloren.“

Später merkte Andreas Ogris noch an, die schlechten Leistungen der Teamspieler ließen sich damit begründen daß man in der Meisterschaft nur von Rapid oder Tirol gefordert werden würde. Das brachte die Fans von der damalig aufstrebenden Austria Salzburg auf die Palme. Nach einem 1:0 Heimsieg über Ogris Austria Wien, brachen die Dämme und ein Austria Salzburg Fan schüttete einen ORF Reporter sein Herz aus wie man in diesem Video hören kann:

Am Ende hatte Alfred Riedl mit seiner Prognose recht. Der Fußball in Österreich ging nicht zu Grunde, und 6 Jahre später, fast genau auf den gleichen Tag, qualifizierte man sich sogar für die WM in Frankreich. Diese blieb aber bis heute die letzte WM-Teilnahme.



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