Der 19. Oktober 1991 war ein trister Samstag Nachmittag in Hütteldorf. Für das Duell am 16. Spieltag Rapid gegen DSV Alpine (der 6. zu Hause gegen den Tabellenletzten) konnten sich gerade einmal knapp 1.500 Zuschauer erwärmen. Gähnende Leere im Hanappi Stadion.

Für einen Spieler der Gäste war es das Debüt in der österreichischen Bundesliga: Goran Alar. Vater von Deni Alar. Ob er sich damals träumen ließ dass sein Sohn einmal für den heutigen Gegner einlaufen würde? Deni war damals gerade einmal ein Jahr alt. Sein Vater stand im 30. Lebensjahr und kam von FK Borac Banja Luka. In wie weit die Konflikte in seiner Heimat ein Grund für den Wechsel waren, ist mir leider nicht bekannt.



Am 15. Oktober 1991 verabschiedete das Parlament Bosnien und Herzegowinas gegen die Stimmen der serbischen Vertreter ein Memorandum zur Unabhängigkeit. Die serbische Regierung erklärte am 24. Oktober, sie wolle ein Jugoslawien unter Einschluss der „serbischen Gebiete in Kroatien und Bosnien und Herzegowina“ schaffen. Die serbischen Abgeordneten verließen das Parlament in Sarajevo und begründeten ein eigenes „serbisches Parlament“ in Banja Luka. In Sarajevo demonstrierten am 12. November 100.000 Menschen für ein friedliches Zusammenleben aller drei Volksgruppen in Bosnien und Herzegowina.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen begannen dann erst im nächsten Jahr. Am 5. April 1992 die Belagerung Sarajevos. So gesehen hat er den Zeitpunkt richtig gewählt. Die unruhigen Zeiten begannen um Banja Luka aber genau um diese Tage im Oktober 1991. Also denke ich das dürfte bestimmt auch eine Rolle gespielt haben.



Seine Karriere begann er bei BSK Slavonski Brod. Das liegt heute im östlichen Teil von Kroatien, gleich an der Grenze zu Bosnien, nahe Vukovar und Osijek. Goran Alar wechselte dann 1984 als 22-jähriger zu Osijek und spielte dort bis 1988. In 85 Spielen traf der gelernte Stürmer 17 Mal. 1988 erfolgte dann der Wechsel zum promimenten Hajduk Split. Dort konnte er sich aber nicht durchsetzen, und traf in 18 Spielen gerade einmal 2 Mal. Seine letzte Station vor dem Wechsel nach Österreich war dann Borac Banja Luka. Hier erzielte er 7 Tore in 46 Spielen.

Bei DSV Alpine spielte er dann die Saison 1991/92 fertig. Traf aber kein einziges Mal.

Seine Einsätze 1991 im Detail:
19.10.91 – Auswärts gegen Rapid: 0:3 Niederlage – durchgespielt
26.10.91 – Zuhause gegen den Kremser SC: 2:2 – durchgespielt
03.11.91 – Auswärts gegen Vienna: 0:0 – durchgespielt
09.11.91 – Zuhause gegen Vorwärts Steyr 1:2 Niederlage – die letzten 15 Minuten
17.11.91 – Auswärts gegen Sturm Graz 0:1 Niederlage – die ersten 78 Minuten
30.11.91 – Auswärts gegen Admira Wacker 1:3 Niederlage – die ersten 78 Minuten

Seine Mannschaft stieg dann in der Winterpause als Tabellenletzter in das Mittlere Play Off ab.

Im Mittleren Play Off kam er dann noch 7 Mal zum Einsatz. Sein letzter Einsatz in der Bundesliga waren 24 Minuten bei der 1:2 Heimniederlage gegen den VfB Mödling. Er kam damals beim Stand von 1:2 statt Heinz Fuchsbichler in das Spiel. Jener Heinz Fuchsbichler der heute als Trainer Karriere macht (Austria Lustenau, Altach, und SV Ried), und derzeit die U-21 Nachwuchsnationalmannschaft Liechtensteins betreut. Das Führungstor im letzten Spiel für Goran Alar erzielte für Mödling übrigens ein gewisser Fred Schaub. Der Vater von Louis Schaub.

Falls das Tor jemand sehen möchte. Es war ein schönes Freistoßtor von Fred Schaub, der am 22. April 2003 leider verstorben ist.

Goran Alar wechselte dann nach dieser Saison als 30-jähriger zum damaligen WSV Zeltweg. Dort beendete er als 38-jähriger seine Karriere und erlebte noch so einiges. Abstieg von der Landesliga in die Oberliga bereits in der ersten Saison nach 11 Jahren in der Landesliga. In der Saison 1994/95 erfolgte der Wiederaufstieg. 1997 konnte Goran Alar mit seinen Zeltwegern dann den Landesliga Meistertitel feiern. Goran Alar war dabei der Topscorer. 57 Tore erzielte er insgesamt für Zeltweg bis dorthin.



Ab 1997 ging es dann in der Regionalliga weiter. Dieser Zeitraum gilt für Zeltweg bis heute zweifelsohne als der erfolgreichste. Unter Trainer Walter Schachner gelang ihm mit seiner Mannschaft in seiner letzter Saison der 5. Platz in der Regionalliga Mitte. Die beste Plazierung in der Vereinsgeschichte. Für Goran Alar dürfte das ein perfekter Zeitpunkt gewesen sein, um mit dem Fußballspielen aufzuhören.

5 Jahre später trat sein Sohn beim FC Zeltweg in seine Fußstapfen. Als 14-jähriger schaffte er den Sprung aus der eigenen Jugend in den Kader der Kampfmannschaft. 2 Jahre später machte er es wieder dem Vater nach und unterschrieb in Donawitz beim mittlerweile umbenannten DSV Leoben. Weitere 2 Jahre später dann der Sprung nach Kapfenberg in die erste Bundesliga. Am 1. Juli 2011 unterschrieb er bei Rapid Wien. Fast 20 Jahre nachdem sein Vater als Gästespieler dort debütiert hatte.

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